Alltag

Silvester mit dem Hund: gut vorbereitet durch die Nacht.

Silvester mit dem Hund: Trainingsplan ab Ende Oktober, Hilfe in der Nacht, Medikamente, Pyrotechnikgesetz und was zu tun ist, wenn der Hund entläuft.

Ein weißer Dogo Argentino liegt abends ruhig auf einer Decke im Wohnzimmer, daneben sitzt eine Person, die Vorhänge sind zugezogen.

Gut die Hälfte aller Hunde hat zumindest teilweise Angst vor Feuerwerk. Das zeigt eine Umfrage der Universität Bern unter den Haltern von 1.225 Hunden, in der 52 Prozent betroffen waren (Riemer, PLOS ONE 2019). Für die meisten ist der Spuk am Neujahrsmorgen vorbei. Bei gut jedem zehnten ängstlichen Hund dauert die Erholung aber bis zu einer Woche, bei einigen sogar Wochen oder Monate. Bis Silvester bleiben ab Ende Oktober rund neun Wochen, und das ist genug Zeit, um die Nacht für deinen Hund deutlich leichter zu machen.

Ein panischer Dogo zieht mit rund 40 Kilo.

Sichere ihn in der Silvesterwoche draußen doppelt, mit einer Leine am Halsband und einer am Brustgeschirr. Das empfiehlt auch die Veterinärmedizinische Universität Wien.

Wie sich Feuerwerksangst entwickelt

Die Berner Auswertung liefert drei Erkenntnisse, die für die Planung zählen. Erstens entsteht die Angst meist früh: Die Mehrheit der betroffenen Hunde entwickelte sie im ersten Lebensjahr, nach dem siebten Jahr kamen kaum neue Fälle dazu. Zweitens hängt Feuerwerksangst eng mit der Angst vor Schüssen und Donner zusammen, kaum mit anderen Verhaltensproblemen. Drittens lässt sie sich beeinflussen, in beide Richtungen. Halterinnen und Halter berichteten häufig von Verbesserungen, aber auch häufig von Verschlechterungen.

Wie lange Hunde nach einer Feuerwerksnacht brauchen, Anteil der ängstlichen Hunde
ErholungAnteil
Bis zum nächsten Morgenfast drei Viertel
Bis zu einem Tag10 %
Bis zu einer Woche12 %
Mehrere Wochen bis Monateüber 3 %

Quelle: Riemer 2019, Online-Befragung von Hundehaltern, Universität Bern.

Für einen jungen Dogo ist deshalb das erste Silvester das wichtigste. Die Daten deuten darauf hin, dass Welpen und Hunde ohne Angst sehr wirksam geschützt werden, wenn sie das Knallen mit etwas Angenehmem verbinden lernen. Wie du das erste Lebensjahr insgesamt planst, steht im Beitrag zu Dogo-Argentino-Welpen.

Neun Wochen bis Silvester: der Trainingsplan

Die Vetmeduni Wien empfiehlt, langfristige Maßnahmen einige Monate im Voraus zu beginnen, und nennt drei Bausteine (Tipps für einen stressfreien Silvesterabend). Bei der Desensibilisierung spielst du Feuerwerksgeräusche anfangs sehr leise vor und steigerst die Lautstärke nur so langsam, dass der Hund nicht ängstlich wird. Bei der Gegenkonditionierung verknüpft er die Geräusche mit Spiel oder Futter. Und beim Entspannungstraining verbindest du entspannte Momente konsequent mit einem Signal, einem Wort oder Ton, das später in der Stresssituation hilft.

Auf neun Wochen verteilt kann das so aussehen:

Vorbereitung ab Ende Oktober
ZeitraumWas du übst oder erledigst
Ende OktoberEntspannungssignal aufbauen: jedes Mal, wenn der Hund ruhig liegt, Wort oder Ton plus ruhige Belohnung. Rückzugsort festlegen, an dem er nicht gestört wird.
NovemberGeräuschtraining täglich wenige Minuten, beginnend so leise, dass der Hund kaum reagiert. Jede Einheit mit Futter oder Spiel verbinden. Bei Unruhe eine Stufe leiser.
Ende NovemberBei bekannter starker Angst Termin in der Tierarztpraxis, Medikamente besprechen. Gehörschutz oder Kopfhaube nur, wenn der Hund sie bis dahin entspannt trägt.
DezemberLautstärke langsam steigern, in verschiedenen Räumen üben. Doppelte Sicherung mit Halsband und Geschirr an Spaziergängen gewöhnen. Kontaktdaten in der Heimtierdatenbank prüfen.
Ab 26. DezemberSpaziergänge in ruhige Gegenden und Tageszeiten verlegen, denn viele zünden schon vor Silvester. Rollos und Vorhänge testen, Fenster schließen.

Die Schritte sind klein, und das ist Absicht. Wer zu schnell lauter dreht, übt Angst statt Gelassenheit. Ein Dogo, der auf Geräusche nicht reagiert, verdient dabei einen zweiten Blick: Bei dieser Rasse kommt angeborene Taubheit auf einem oder beiden Ohren häufig vor, ein Hörtest beim Tierarzt klärt das. Mehr dazu im Beitrag zu Gesundheit und Pflege.

Wann Medikamente sinnvoll sind

Training wirkt langfristig. Für einen Hund, der schon jetzt panisch reagiert, reicht es bis zum 31. Dezember oft nicht. Dann gehört die Tierarztpraxis früh ins Boot, nicht am 30. Dezember. Es gibt für Hunde zugelassene Arzneimittel gegen Geräuschangst, und sie wirken unterschiedlich. Eine Übersichtsarbeit in Veterinary Evidence hat zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien zum Wirkstoff Imepitoin ausgewertet: Er senkte die von den Haltern beobachtete Angst, viele Hunde zeigten aber leichte bis mittlere Nebenwirkungen wie unsicheren Gang, Appetitveränderungen, Müdigkeit oder Erbrechen (McNicholas, Veterinary Evidence 2026).

Das ist ein guter Grund, ein Medikament nicht erst in der Silvesternacht zum ersten Mal zu geben. Bei einem Hund mit 40 Kilo sind Dosierung und Nebenwirkungen eine Sache für die Tierärztin oder den Tierarzt, nicht für die Hausapotheke. Beruhigungsmittel für Menschen sind tabu.

Die Nacht selbst: was hilft, was schadet

Die Empfehlungen der Vetmeduni für den Akutfall lassen sich in wenigen Regeln zusammenfassen:

  • Früh raus: Die letzte Runde deutlich vor Mitternacht drehen, besser noch vor Einbruch der Dunkelheit. Die nächste erst wieder in den frühen Morgenstunden.
  • Immer an der Leine: Auch ein Hund, der sonst zuverlässig zurückkommt, bleibt in diesen Tagen angeleint, doppelt gesichert an Halsband und Geschirr.
  • Nicht mitnehmen: Hunde gehören nicht zum Feuerwerk, auch wenn es bisher nie Probleme gab. Ein Kracher, der neben dem Hund explodiert, kann ein Trauma auslösen.
  • Versteck zulassen: Will sich der Hund unter den Tisch oder ins Bad zurückziehen, lass ihn. Deine Nähe als Vertrauensperson hilft.
  • Ruhig trösten, nicht übertreiben: Beruhigende Worte und langsames Streicheln sind erlaubt, aber nicht im Übermaß.
  • Am Morgen danach: Auf Glassplitter und Reste von Feuerwerkskörpern achten, die Pfoten verletzen können.

Zum Trösten gibt es eine viel zitierte Beobachtung aus Neuseeland. In einer Befragung von Haltern von 3.527 Hunden und Katzen ging Trösten mit stärkerer und länger anhaltender Angst einher (Dale u. a., New Zealand Veterinary Journal 2010). Das ist ein Zusammenhang aus Halterangaben, kein Beweis, dass Zuwendung Angst erzeugt. Ein Hund, der Schutz sucht, darf ihn bekommen. Hektik, ständiges Zureden und deine eigene Anspannung helfen ihm dagegen nicht.

Was in Österreich erlaubt ist

Ein großer Teil der privaten Knallerei im Ortsgebiet ist verboten. Nach § 38 Pyrotechnikgesetz 2010 ist die Verwendung von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2, also der üblichen Silvesterraketen und Böller, im Ortsgebiet verboten. Ausnahmen für bestimmte Teile des Ortsgebiets kann nur der Bürgermeister per Verordnung festlegen. Innerhalb und in unmittelbarer Nähe von Tierheimen und Tiergärten ist Pyrotechnik generell verboten, ebenso bei Krankenhäusern, Kirchen sowie Kinder- und Altersheimen.

F2-Artikel dürfen erst ab 16 Jahren besessen und verwendet werden, die Kategorien F3 und F4 ab 18. Verstöße sind Verwaltungsübertretungen mit Geldstrafen bis zu 3.600 Euro. Ob in deinem Ort eine Ausnahme gilt, steht in der Verordnung des Bürgermeisters, meist auf der Website der Gemeinde. Wer sieht, dass trotz Verbot neben einem Tierheim oder im Ortsgebiet geschossen wird, kann die Polizei verständigen.

Wenn der Hund trotzdem wegläuft

Für genau diesen Fall gibt es die Chip-Pflicht. Die Heimtierdatenbank dient laut § 24a Tierschutzgesetz ausdrücklich dazu, entlaufene Hunde ihren Haltern zurückzubringen. Das klappt nur, wenn deine Kontaktdaten dort aktuell sind. Prüfe sie vor den Feiertagen, besonders nach einem Umzug oder einer neuen Telefonnummer.

Ist der Hund weg, melde ihn sofort bei der Polizei, den Tierheimen der Umgebung und bei den Tierarztpraxen, denn dort wird der Chip eines Fundhundes ausgelesen. Halte ein aktuelles Foto bereit, auf dem Fleckzeichnung und Ohren gut zu sehen sind. Bei einem fast weißen Hund sind das oft die einzigen Merkmale, an denen ihn Fremde sicher wiedererkennen. Welche Leinen- und Maulkorbregeln für den Dogo in deinem Bundesland gelten, zeigt der Überblick zur Haltung in Österreich.